Künstliche Intelligenz automatisiert immer mehr – doch je mehr Aufgaben an KI-Agenten übergeben werden, desto wichtiger wird die Frage, wer handelt und wem man vertrauen kann. Genau darum drehte sich der Swiss Automation Day, bei dem IBM gemeinsam mit HashiCorp zeigte, wie Automatisierung sicher gelingt.
Am 18. Juni 2026 lud IBM zum Swiss Automation Day in Zürich ein. Im Zentrum stand eine Frage, die auch viele Schweizer KMU beschäftigt: Wie lassen sich Prozesse automatisieren, ohne dabei Sicherheit und Kontrolle aus der Hand zu geben?
Eröffnung: Das Risiko verlagert sich auf nicht-menschliche Identitäten
Nur zwei Tage nach IBMs 115. Geburtstag eröffnete Katharina Göppinger, Country General Manager & Technology Leader IBM Switzerland, den Tag mit einer klaren Botschaft: Sicherheitsrisiken richten sich immer häufiger gegen nicht-menschliche Identitäten – also gegen Maschinen, Dienste und KI-Agenten. Wer davon Tausende verwalten muss, kommt um Automatisierung nicht herum.

Katharina Göppinger, Country General Manager & Technology Leader Switzerland, IBM: Willkommensrede. Quelle: Swiss Automation Day Zürich 2026
Agentic Runtime Security: Kann KI risikofrei sein?
Steffen Wagner, Field CTO EMEA bei HashiCorp, beantwortete die Frage, ob KI je risikofrei sein könne. Seine nüchterne Antwort: KI-generierter Code enthält Fehler, und anders als klassische Systeme verhalten sich KI-Agenten nicht deterministisch. Weil Unternehmen solche Agenten bereits heute einsetzen, müsse man jetzt handeln. Als Grundlage nannte er vier Prinzipien:
- Jeder Agent muss registriert sein
- Jeder Agent erhält nur die nötigsten Rechte (Least Privilege)
- Die Absicht eines Agenten muss seiner tatsächlichen Handlung entsprechen
- Jeder Zugriff wird geprüft
Entscheidend sei, sowohl menschliche als auch nicht-menschliche Identitäten eindeutig zu identifizieren. So kann ein Auditing-Team jeden Zugriff nachvollziehen.
Swiss Post: Technologie baut die Brücke – Vertrauen entscheidet, ob man sie überquert
Pascal Rudnik, Head of Platform and Technology bei Swiss Post Digital Services, gab Einblick in eine 17-monatige Cloud- und Lernreise. Heute laufen rund 90 % der elektronischen Patientendossiers der Schweiz auf ihrer Plattform – ein Bereich, in dem Vertrauen alles ist. Sein Leitgedanke:
«Technologie baut die Brücke, doch ob man sie überquert, entscheidet das Vertrauen.»
Da Cloud-Lösungen in hochsensiblen Bereichen teilweise noch kritisch bewertet werden, behält das Team zentrale Funktionen bewusst im eigenen Haus. Sein wichtigster Take-away: Wir müssen die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine neu lernen und Resilienz aufbauen – die Fähigkeit, einen Schock zu absorbieren und trotzdem weiter zu funktionieren.

Pascal Rudnik, Swiss Post Digital Services: «From Secrets to Trust». Quelle: Swiss Automation Day Zürich 2026
Keynote & Panel: Die Sicherheitsfolgen von KI
Den strategischen Rahmen setzte Dr. Jean-Marc Rickli vom Geneva Centre for Security Policy mit seiner Keynote und dem Panel zu den «Security implications of AI and other emerging technologies». Sein Blick reichte über die Technik hinaus: KI verschärft nicht nur einzelne Risiken, sondern verschiebt ganze Kräfteverhältnisse. Technologische Vorsprünge schmelzen, während die Cyberkriminalität weiter zunimmt. Eindrücklich machte er zudem deutlich, dass KI selbst den Zugang zu gefährlichem Dual-Use-Wissen erleichtern kann – ein Risiko, das sich nur mit klaren Regeln und Verantwortung eindämmen lässt. Die Botschaft: Wer KI einsetzt, muss Sicherheit von Anfang an mitdenken.

Dr. Jean-Marc Rickli, Geneva Centre for Security Policy: «Security implications of AI and other emerging technologies». Quelle: Swiss Automation Day Zürich 2026
Liebherr & Fullstacks: Eine Plattform bauen – nicht Infrastruktur automatisieren
Gemeinsam mit dem Beratungshaus Fullstacks zeigte Liebherr, wie das Unternehmen sein Betriebsmodell umbaute. Die eigentliche Herausforderung lag nicht in der Technik, sondern im Umdenken: Governance als Ermöglicher, statt als Hürde. Zwei Erkenntnisse blieben hängen – erstens, eine Plattform zu bauen, statt einfach Infrastruktur zu automatisieren; zweitens, das Betriebsmodell ist wichtiger als das Werkzeug. Auf die Frage nach der Toolwahl erklärte Manuel Rahm, DevOps and Platform Engineer bei Liebherr, dass Terraform Enterprise als Skalierungs- und Governance-Baustein der Plattform gewählt wurde.

Manuel Rahm (Liebherr) und Patrick Martins (Fullstacks): «Accelerating Platform Delivery». Quelle: Swiss Automation Day Zürich 2026
«Wer ist mein Agent?» – Verlässliche Identitäten für KI
Lennart Passig (HashiCorp) und Manuel Schindler (Red Hat) widmeten sich der Frage, wie sich für KI-Agenten verlässliche, überprüfbare Identitäten schaffen lassen. Der Grundgedanke: Wer jederzeit weiss, welcher Agent gerade handelt und ob er dazu berechtigt ist, reduziert das Risiko eines Cyberangriffs. Das Stichwort lautet daher «Zero Trust»: Kein Zugriff gilt automatisch als vertrauenswürdig, jeder wird geprüft.

Was bedeutet das für Schweizer KMU?
So unterschiedlich die Referate waren – ein roter Faden zog sich durch den Tag: Automatisierung bringt nur dann nachhaltigen Nutzen, wenn das Fundament stimmt. Klare Identitäten, saubere Berechtigungen und nachvollziehbare Prozesse sind die Voraussetzung dafür, dass Automatisierung Tempo bringt, ohne neue Risiken zu schaffen.
Für die meisten KMU beginnt dieser Weg beim Fundament selbst: Einer IT-Infrastruktur, die sicher, gepflegt und kalkulierbar ist – vom Datenschutz über die Datensicherheit bis zur Netzwerksicherheit. Genau hier setzen wir an: Wir beraten Sie, analysieren Ihre Bedürfnisse, setzen fachgerecht um und überwachen Ihre Umgebung laufend – von der Firewall über sämtliche Endgeräte bis zum Backup-Konzept.
Sie möchten Ihre IT auf ein sicheres Fundament stellen? Mehr dazu erfahren Sie hier: IT-Infrastruktur – das Rückgrat Ihrer Firma.
Bildmaterial: Swiss Automation Day Zürich 2026, bereitgestellt durch IBM im Rahmen der Veranstaltung.

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